Inhaltsbereich

Verkehrsstudie untersucht Entwicklungen bei Digitalisierung und autonomem Fahren

Digitale Mobilität: Wie gut sind deutsche Städte vorbereitet?

Keine Utopie mehr: automatisierte Fahrzeuge
plus
Montag, 12. Juni 2017

Hamburg hat eine gute Strategie für intelligente Transportsysteme, Stuttgart liegt in der Elektromobilität vorn. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat mit der Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in den 25 größten Städten Deutschlands untersucht, wie gut und innovativ sie sich auf Digitalisierung, Elektromobilität und autonomes Fahren einstellen. Im internationalen Vergleich hängen deutsche Städte jedoch hinterher.

Carsharing, Ladesäulen für Elektroautos, Verkehrsapps - die Mobilität in Städten hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. DLR-Wissenschaftler vom Institut für Verkehrsforschung haben mit Experten von PwC in einer Studie untersucht, wie sich größere Städte in Deutschland auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten. Betrachtet wurden dabei die Kategorien Digitalisierung der Infrastruktur, Sharing, E-Mobility der ÖPNV. Die Forscher untersuchten beispielsweise, ob die Städte Daten über das Verkehrsaufkommen erfassen und zur Verfügung stellen, wie gut Carsharing-Angebote sind und die Anzahl der Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.

Autonomes Fahren ist eine Herausforderung für Städte

Fahrzeuge mit automatischen Funktionen, wie selbstständiges Bremsen oder Einparkassistenten, sind nur ein Zwischenschritt. Komplett selbstfahrende PKW und LKW sind keine Utopie mehr, sie sind zeitlich nahe Wirklichkeit, Experten rechnen mit einer Einführung ab 2025. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Städte auf diese Entwicklungen vorbereiten. Obgleich Städte die Bedeutung autonomer Fahrzeuge für die Stadtentwicklung erkannt haben, sind sie bislang noch nicht gestaltend aktiv. Treibende Akteure sind aktuell Automobilkonzerne, IT-Unternehmen oder neue Mobilitätsdienstleister. "Autonomes Fahren kann einen wichtigen Beitrag für den ÖPNV und die Entsorgungswirtschaft leisten. Städte können jetzt die Initiative ergreifen und diese Potenziale im Rahmen von Modellvorhaben erproben, auch um Wirkungen und Akzeptanz in der Bevölkerung besser verstehen zu können", sagt Prof. Dirk Heinrichs, der am DLR-Institut für Verkehrsforschung die Abteilung Mobilität und urbane Entwicklung leitet. Ein Best-Practice Beispiel fanden die Forscher in Singapur, wo seit 2016 fahrerlose Taxis auf einer von den staatlichen Behörden bereitgestellter Teststrecke unterwegs sind. Oder in den Niederlanden, wo fahrerlose Busse auf Firmengeländen oder Universitätsanlagen zum Einsatz kommen. "Die Kommunen müssen jetzt Konzepte zum schrittweisen Aufbau von der IT- und physischer Infrastruktur in ihren Planungen verankern, nur so werden sie bis zur größeren Markteinführung von autonomen Fahrzeugen bereit stehen", rät Heinrichs.

Innovative Mobilitätslösungen vor allem in großen Metropolen

Bei einem Ranking der Städte bei derzeitigen innovativen Mobilitätslösungen erreichte Hamburg mit 76,7 von 100 möglichen Punkten den ersten Platz, vor Stuttgart mit 71,9 und Berlin mit 67,1 Punkten. Hamburg konnte vor allem in der Kategorie "Digitalisierung der Infrastruktur" sowie seiner Strategie für intelligente Transportsysteme punkten. Unter anderem wird der Verkehr großräumig um den Hafen beobachtet, analysiert und das Staurisiko vorhergesagt. Stuttgart punktete in der Kategorie "Elektromobilität", die Stadt hat im deutschen Vergleich die höchste Dichte beim Ladesäulennetz. Die Studie zeigte, dass die Größe einer Stadt ein wesentlicher Faktor für die Digitalisierung der Mobilität ist, aber nicht zwingend notwendig. Leipzig überzeugte zum Beispiel die Experten mit einer nutzerfreundlichen ÖPNV-App, die Echtzeitinformationen über die Verkehrslage sowie ein gut funktionierendes Mobile Payment bietet. Darüber hinaus bietet Leipzig durch die Integration von Mitfahrrädern und -autos auch eine gute Tür-zu-Tür-Mobilität. "Zwischen den vorderen und hinteren Plätzen klafft eine große Lücke", stellt Heinrichs fest. "Hier sehen wir die Gefahr, dass diese Städte in der rasanten digitalen Entwicklung den Anschluss verlieren."

PwC Städte-Ranking zu Mobilität und Digitalisierung. Quelle: PwC

ÖPNV will und muss digitaler werden

Größere Städte sind auch deshalb fortschrittlicher, weil wichtige Innovationen von Konzernen und Startups ausgehen. Und diese agieren vor allem in größeren Metropolen. Die Wissenschaftler empfehlen, dass hier der ÖPNV eine führende Rolle übernimmt, Echtzeitdaten nutzt, andere Anbieter einbindet und damit wettbewerbsfähig bleibt. "Der ÖPNV hat bereits erkannt, dass die Digitalisierung ein wesentlicher Treiber ist. Immerhin planen 45 Prozent der befragten ÖPNV-Verbände eine Digitalstrategie", sagt Felix Hasse, Partner bei PwC und Experte für Digitalisierung.

Im internationalen Vergleich hinken deutsche Städte allerdings insgesamt hinterher. So wäre Amsterdam im Ranking mit großem Abstand auf Rang eins gelandet. In der niederländischen Stadt gibt es gute Sharing-Angebote und vor allem über 5000 Elektrofahrzeuge, die an über 3000 Ladesäulen aufgeladen werden können.

Über PwC

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 223.000 Mitarbeiter in 157 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.